Die Älteren unter uns werden sich sicherlich noch an das legendäre Gard-Haarstudio erinnern. Es handelte sich um einen Werbespot, der Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre einmal wöchentlich (nach meiner Erinnerung mittwochs) im ZDF ausgestrahlt wurde, und der länger als die normalen Werbespots war. Das Gard-Haarstudio genoss Kultstatus, ähnlich wie das HB- Männchen aus der Werbung für die gleichnamige Zigarette, wie die Werbung für eine koffeinhaltige Limonade made in Germany namens afri-cola, oder wie die dickliche Klementine, die für das Waschmittel Ariel warb ('nicht sauber, sondern porentief rein'). Die Machart des Werbespots 'Gard-Haarstudio', der vermutlich einem amerikanischen Vorbild abgeschaut war, war eigentlich simpel. In einem Fernsehstudio erschien ein junges hübsches Mädchen (Typ: das hübsche Mädchen von nebenan) mit langen oder halblangen glatten Haaren und wurde von dem Moderator, einem seriösen Onkel-Typ in Schlips und Kragen damit vorgestellt, dass sie ihre Haare bisher immer glatt getragen habe (was als eine Art haariges Problem dargestellt wurde), aber nun eine Typveränderung wollte. In dem Werbespot wurde sie dann unter Zuhilfenahme zahlreicher Gard-Produkte (Shampoo, Festiger und Spray) mittels Lockenwicklern umgestylt. Hinterher war sie dann ein etwas anderer Typ. In der nächsten Sendung erschien dann wieder so ein Typ hübsches Mädchen von nebenan und die Show begann von vorn.

Der Kultstatus des Gard-Haarstudio kam vor allem dadurch zum Ausdruck, dass das Gard-Haarstudio Eingang in die Umgangssprache gefunden hat und zwar als Synonym für die einigermaßen durchgestylte Schnellfrisur der 70er Jahre. Früher sagte man zu einer Frau, die adrett frisiert war, "Hey Mädel, Du warst wohl im Gard-Haarstudio!", oder, wenn die Haare schwunglos und schlapp herunter hingen: "Hey Mädel, Du musst mal wieder ins Gard-Haarstudio!"
Auch heute, fast 30 Jahre später, wird das Gard-Haarstudio immer noch als Synonym für ein bestimmtes Frisurenstyling verwendet, wobei offenbar unterschiedliche Vorstellungen darüber bestehen, was sich damals im Gard-Haarstudio abgespielt hat, weil diejenigen, die das Gard-Haarstudio in den Mund nehmen, die damaligen Werbespots meistens gar nicht gesehen haben, weil sie noch nicht geboren waren.

Eines Tages war das Gard-Haarstudio von der Mattscheibe verschwunden. Zuerst war es uns gar nicht aufgefallen, aber irgendwann merkten wir, dass es gar kein Gard-Haarstudio mehr gab. Vermutlich werden die meisten von uns gedacht haben, dass die Zeit über die im Gard-Haarstudio produzierten Frisuren hinweg gegangen war. Ende der siebziger Jahre stand der Punk vor der Tür, die Fönwelle hatte ausgedient und mit der Einführung des Privatfernsehens änderte sich auch Art und Stil, Werbebotschaften unters Volk zu bringen. Da war für das etwas betuliche Gard-Haarstudio, das so wunderbar zum betulichen ZDF passte wie die Faust aufs Auge, einfach kein Platz mehr. Aber das ist nicht der wahre Grund, aus dem das Gard-Haarstudio eines Tages vom Bildschirm verschwand. Die wahre Geschichte vom Ende des Gard-Haarstudios ist anders. Sie führt in die Abgründe des Wettbewerbs innerhalb der deutschen Werbewirtschaft und innerhalb der deutschen Haarkosmetik-Industrie. Die Sache ist inzwischen verjährt. Also kann ich frank und frei berichten.

Ich war damals in einer kleinen Werbeagentur tätig, die eine Marketing-Strategie für ein kleines und, wie sich später herausstellen sollte, allzu eigenkapitalschwaches Haarkosmetik-Unternehmen entwickeln sollte. Dieses Unternehmen, das später aufgrund der Vorkommnisse, über die es hier zu berichten gilt, in Konkurs ging, hieß bezeichnenderweise QUARK, was für Qualität, Attraktivität, Reinlichkeit und Klasse stehen sollte. Die QUARK AG hatte eine ähnliche Produktpalette wie Gard, nämlich Shampoo, Festiger und Spray, entwickelte aber noch weitere Haarpflegeprodukte, nämlich eine einigermaßen gefahrlos anzuwendende Heimdauerwelle und als besonderen Knüller ein neues und geradezu revolutionäres Haarwuchsmittel. Leider lagen die Produkte von QUARK neben den Gard-Produkten wie Blei in den Regalen, obwohl alle davon überzeugt waren, dass sie qualitativ durchaus mithalten konnten. Aber gegen die seinerzeit äußerst erfolgreiche Werbung für die Gard-Produkte via Gard-Haarstudio war beim besten Willen einfach kein Kraut gewachsen.

Unsere Aufgabe bestand darin, ein Werbekonzept zu entwickeln, um die QUARK-Produkte, vor allem das mit Millionen-Aufwand entwickelte Haarwuchsmittel 'Super-Quark', bekannter zu machen und gleichzeitig die Werbewirkung des Gard-Haarstudios irgendwie zu neutralisieren. Wir entwickelten folgendes Konzept: Wir wollten für QUARK einen oder mehrere TV-Werbespots produzieren, und zwar im Stile des Gard-Haarstudios, aber mehr als Parodie auf das Gard-Haarstudio, das wir schon damals als bierernst und nicht wirklich amüsant ansahen. Dabei gingen wir ein Risiko ein, denn mit Parodie, Satire und Comedy war in der deutschen Werbung damals noch kein Ruhmesblatt zu ernten.
In dem neuen 'QUARK-Haarstudio' sollte die Wirkung des neuen Haarwuchsmittel 'Super-Quark' demonstriert werden, und zwar nicht an Männern, sondern an Frauen, die Probleme mit ihrem Haarwuchs haben und sich vergeblich darum bemühen, sich schönes langes Haar wachsen zu lassen. Das Haarwuchsmittel setzte nämlich ein an sich intaktes Haarwachstum voraus und war für Männer, die zur Glatzenbildung oder unter schütterem Haar leiden, völlig ungeeignet. Als mögliche Modelle hatten wir die Mädchen im Auge, die schon im Gard-Haarstudio aufgetreten waren und deshalb dem Fernsehpublikum schon etwas bekannt waren. Das von uns zu lösende technische Problem bestand darin, dass sich die Wirkung eines Haarwuchsmittels bei einer Frau mit langem oder halblangem Haar im Fernsehstudio optisch nicht oder nur schlecht darstellen lässt. Ob und wie schnell Haar wächst, lässt sich am Besten dort optisch darstellen, wo z.Zt. kein Haar wächst, im Klartext: auf einer Glatze, und zwar auf einer Glatze, die nicht krankheitsbedingt ist, sondern auf mechanischem Wege mit Schere, Haarschneidemaschine oder Rasiermesser verursacht wurde.

Über eine Agentur versuchten wir an die Gard-Haarstudio-Mädchen heranzukommen. Das waren damals noch keine professionellen Modelle mit einem Agenten oder Manager, sondern Mädchen, die das so nebenbei machten, aber natürlich eine Art vertraglicher Bindung zu der Produktionsfirma hatten, die das Gard-Haarstudio produzierte. Um sie für eine Mitarbeit zu gewinnen, boten wir den Mädchen das Dreifache dessen an Honorar an, was sie für ihren Auftritt im Gard-Haarstudio bekamen. Außerdem sicherten wir Ihnen zu, dass wir sie von allen etwaigen Schadenersatzverpflichtungen, Vertragsstrafen usw. gegenüber der Produktionsfirma des Gard-Haarstudios freistellen würden, die ihnen aus der Mitarbeit im QUARK-Haarstudio entstehen sollten. Natürlich mussten wir den Mädchen auch früher oder später sagen, was wir mit ihnen vorhätten, nämlich die Wirkungsweise eines sensationellen Haarwuchsmittels auf ihren kahlgeschorenen Häuptern zu demonstrieren. Damit war klar, dass sie eine Weile für Auftritte im Gard-Haarstudio ausfielen. Die meisten der Gard-Haarstudio-Mädchen waren bereit mitzumachen, weil wir ihnen versichert hatten, dass die Wirkung von Super-Quark wirklich sensationell sei. Schon wenige Tage nach der Kopfrasur würden sie wieder einen vollen Haarschopf haben, natürlich nicht sofort mit der gleichen Haarlänge, aber immerhin. Super-Quark sei 'klinisch getestet' (diesen Begriff hatten wir uns aus der Zahnpasta-Werbung ausgeliehen). Jedenfalls logen wir den Mädchen die Hucke voll, denn außer ein paar Laborversuchen und dem Selbstversuch einer mutigen Laborantin gab es überhaupt keine gesicherten Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Super-Quark. Aber die Herstellerfirma glaubte an ihr Produkt, also mussten wir auch daran glauben.

Wir heuerten eine TV-Produktionsfirma an, die uns ein 1A QUARK-Haarstudio hinstellte und sich auch sonst um alles kümmerte, was für der Produktion der Werbespots nötig war mit Ausnahme der Modelle, für die wir gesorgt hatten, und des Scripts, dass wir zusammen mit der Produktionsfirma und dem von dieser ausgewählten Regisseur erarbeiteten. Einer der wesentlichen Diskussionspunkte war, ob wir den Mädchen on screen oder off screen die Haare abschneiden wollten. Wir entschieden uns für on screen, weil dies die Glaubwürdigkeit des Werbespots erhöhte. Die Rasur on screen barg aber ein Risiko: wir hatten je Modell nur einen Versuch und die Mädchen durften nicht aus der Rolle fallen, sie durften also nicht etwa anfangen zu heulen, wenn die Haare fielen. Wir bemühten uns daher nach Kräften, die Mädchen, die alle so zwischen 18 und 22 Jahre alt waren, möglichst schonend auf den vorübergehenden Verlust ihrer Haare vorzubereiten.

Nach dem gemeinsam entwickelten Drehbuch, das wir uns vom Vorstand der QUARK AG hatten absegnen lassen, sollte der Spot genauso beginnen wie der vom Gard-Haarstudio:
Ein freundlich-seriöser Herr Anfang Vierzig würde zuerst die Zuschauer im neuen QUARK-Haarstudio begrüßen und dann den Gast mit den Worten vorstellen:
"Das hier ist unsere Andrea (Petra, Brigitte, Marion, Irene). Sie hat ihre schönen langen Haare bisher immer ganz glatt getragen. Jetzt möchte sie aber ihren Typ etwas verändern, stimmts Andrea (Petra, Brigitte, Marion, Irene)???"
"Stimmt", würde das Mädchen, das den Zuschauern aus dem Gard-Haarstudio bekannt war sagen und die Zuschauer würden sich gespannt fragen, was denn im QUARK-Haarstudio anders sein würde als im Gard-Haarstudio und würden näher an die Mattscheibe heranrücken. Papa würde sich schnell noch ein Bier aufmachen und Mutti noch 'ne Salzstange kauen.
"Dürfen wir ein ganz klein bisschen von Deinen schönen Haaren abschneiden?", würde der freundlich-seriöse Gastgeber des QUARK-Haarstudios das Mädchen fragen und das Mädchen würde nicken und sagen: "Aber nur ein bisschen. Nicht zu kurz bitte."
Dann würde sie sich auf den bereit stehenden Friseurstuhl setzen und ein super sympathischer Friseur im blütenweißen, garantiert mit Ariel gewaschenen Kittel und Colgate-Flour-Super-Lächeln, der aussah wie der leibhaftige Zwillingsbruder von Chris Roberts (das war damals ein super sympathischer, sehr beliebter Schlagersänger), würde erscheinen und dem Mädchen einen glänzenden, türkisfarbenen Plastik-Friseurumhang mit dem Schriftzug 'QUARK-Haarstudio' umlegen und ihr dann razz-fazz mit der elektrischen Haarschneidemaschine eine Glatze schneiden (diese Sequenz würden wir am Schneidetisch etwas kürzen). Das Mädchen aus dem Gard-Haarstudio würde sich überrascht mit der Hand über den kahlgeschorenen Kopf fahren und sagen:
"Oh, das ist aber ein bisschen kurz geworden. Aber da gibts doch zum Glück was von QUARK, stimmts?"
"Stimmt", würde der seriöse Moderator des QUARK-Haarstudios sagen, "es gibt jetzt das neue 'Super-Quark', das Haar-Doping für Ihre Haare (Anmerkung des Autors: Doping hatte damals noch keinen negativen Beigeschmack). 'Super-Quark' dringt porentief in die Kopfhaut ein und sorgt dafür, dass die Haare wie verrückt wachsen. Klinisch getestet. Wir zeigen Ihnen, wie man auch auf einer Glatze ganz schnell Locken drehen kann."
Dann würde die frisch geschorene Glatze des Mädchens mit dem Haarwuchsmittel eingeschmiert werden und anschließend würden wir im Zeitraffer das enorme Haarwachstum filmen. Der Hersteller hatte versprochen, dass die Haare einen Zentimeter pro Tag wachsen würden, so dass man schon nach wenigen Tagen einen ganz beträchtlichen Haarschopf bewundern können sollte. Das Mädchen sollte ca. eine Woche lang morgens und abends im Studio erscheinen und wir würden den zwischenzeitlichen Haarwuchs fotografieren und die Bilder dann montieren. Wenn möglich sollte am Ende des Spots dem Mädchen mit einem Lockenstab ein paar Löckchen in die nachgewachsenen kurzen Haare gezaubert werden. Schließlich würden alle Beteiligten fröhlich in Kamera winken und 'Bis zum nächsten Mal in Ihrem QUARK-Haarstudio' rufen.

Ich hatte damals schon erhebliche Zweifel, dass das so funktionieren würde, denn das vom Hersteller versprochene Haarwachstum wäre das Dreißigfache des normalen Haarwachstums gewesen. Das überstieg meine Vorstellungen von den Möglichkeiten moderner Haarkosmetik bei weitem. Aber in der Werbebranche galt der Grundsatz, dass der Kunde immer Recht hat, also planten wir so, dass wir jeden Spot innerhalb einer Woche, maximal innerhalb von 10 Tagen komplett abschließen würden. An einem Freitag dem 13. fingen wir an zu drehen. Unser erstes Opfer hieß tatsächlich Andrea, war 18 Jahre alt und hatte bis über die Schultern reichende, sehr gut gepflegte dunkelbraune Haare. Ein sehr süßes Mädchen. Bis zum Haarschnitt klappte alles bestens. Die Akteure sagten brav ihren Text auf und Andrea ertrug den Verlust ihrer kompletten Haarpracht mit erstaunlicher Gelassenheit. Wahrscheinlich glaubte sie, dass es tatsächlich Chris Roberts himself war, der da die elektrische Haarschneidemaschine schwang. Wer leider komplett versagte, war der Star der Sendung, das sensationelle Haarwuchsmittel 'Super-Quark'. Obwohl wir Andreas Glatze anfangs sogar stündlich mit dem Zeug einpinselten und mit Rotlicht bestrahlten, zeigte sich nicht mehr als da ganz normale Haarwachstum von 1/3 mm pro Tag. Nach ein paar Tagen brachen wir das Experiment ab, zahlten dem Mädchen neben der vereinbarten Gage ein Schmerzensgeld von DM 2000,- und wandten uns der nächsten Delinquentin zu.

Der Name des Mädchens ist mir leider entfallen. Damals hießen alle Girls Erika, Petra, Heike, Christiane oder so, jedenfalls war das Mädel blond und hatte dichtes leicht welliges knapp schulterlange Haar. Auch hier klappte zunächst alles so, wie im Drehbuch vorgesehen. Die schwierige Stelle war ja immer der Haarschnitt, es konnte passieren, dass das Mädchen derart aus der Fassung geriet, dass sie aus der Rolle fiel, den Text vergaß und schlimmstenfalls in Tränen ausbrach. Aber das Mädel verhielt sich tapfer, glaubte sie doch, dass ihre Haare ganz schnell wieder nachwachsen würden. Wir hatten ihr natürlich verschwiegen, dass bei ihrer Vorgängerin ein Null-Wachstum zu verzeichnen gewesen war. Wie gesagt, bis zum Haarschnitt klappte alles wunderbar und wir waren gespannt, ob 'Super-Quark' diesmal wirken würde. Tatsächlich, es wirkte. Die Haare wuchsen 5 - 6 mm pro Tag. Leider hatte das Mittel starke Nebenwirkungen. Die Haare waren sehr dünn und extrem kraus, praktisch nicht mehr zu bändigen. Außerdem wuchs dem Mädchen ein formidabler Damenbart. Wir mussten das Mittel sofort absetzen, rasierten dem Mädchen Kopf und Kinn, zahlten erneut ein erhebliches Schmerzensgeld und beteten, dass wir bei dem dritten Modell mehr Erfolg haben würden. Das nächste Modell, ich meine sie hieß Claudia, war schon Mitte 20 und hatte ziemlich lange dunkle Haare, fiel leider aus der Rolle. Schon als sie auf dem Friseurstuhl Platz nahm und das Cape umgehängt bekam verzog sie das Gesicht und als sie das Geräusch des Haarschneiders höre und die ersten Strähnen auf den Umhang fielen, brach sie in Tränen aus. Ihren Text hatte sie dann natürlich vergessen. Wir sparten uns die anschließende Behandlung mit dem Haarwuchsmittel und schickten das Mädchen mit einer kleinen Entschädigung nach Hause.

Bei den folgenden Modellen war es immer das Gleiche: Entweder wirkte 'Super-Quark' nicht oder hatte höchst unerwünschte Nebenwirkungen oder die Mädchen fielen aus der Rolle. Jedenfalls hatten wir nach einem Monat ununterbrochener Dreharbeiten sämtliche Modelle aus dem Gard-Haarstudio kahl geschoren, beträchtliche Beträge an Schadensersatz und Schmerzensgeld bezahlt, eine Menge Zeit und Material verbraten, aber nicht einen einzigen brauchbaren Werbespot zustande gebracht. Und die Produkte unseres Auftraggebers lagen immer noch wie Blei in den Regalen. Wir beschlossen, das Projekt zu beenden.

Kurze Zeit später flatterte der QUARK AG eine Schadensersatzklage der Firma Gard ins Haus. Die fanden es nämlich gar nicht witzig, dass wir die hübschen Modelle aus Gard-Haarstudio kahl geschoren hatten und nahmen an, dass der Sinn und Zweck der Aktion allein darin bestanden hätte, sie und ihr äußerst erfolgreiches Werbekonzept zu sabotieren.
Der eingeklagte Betrag war nicht einmal so hoch und vielleicht wäre die QUARK AG besser beraten gewesen, einfach zu zahlen. Aber sie ließen es auf den Prozess ankommen und dadurch wurde die Wirkungslosigkeit bzw. die Nebenwirkungen von 'Super-Quark' öffentlich bekannt. Die QUARK AG musste das mit hohem finanziellen Aufwand entwickelte Haarwuchsmittel vom Markt nehmen. Auch bei den anderen Produkten kam es zu massiven Umsatzeinbrüchen und ein halbes Jahr später musste QUARK Konkurs anmelden. Da QUARK unser einziger Großkunde war, ging auch meine Werbeagentur pleite. Seither ziehe ich als fliegender Händler über die Märkte und verkaufe poppige Kunsthaarperücken aus Hongkong.

Zur gleichen Zeit wurde aus das Gard-Haarstudio eingestellt. Ob das daran lag, dass sie plötzlich keine hübschen Modelle mehr hatten oder Mädchen, die bereit gewesen wären, im Gard-Haarstudio aufzutreten, davon Abstand nahmen, weil sie befürchteten, sie bekämen jetzt auch dort eine Glatze geschnitten, weiß ich nicht. Vielleicht war auch nur die Zeit dieser Art von Werbung vorbei. Vielleicht waren auch nur Schnellfrisuren a'la Gard aus der Mode gekommen. Der Punk stand vor der Tür.

Die MAZ-Aufzeichnungen, die wir damals für QUARK gedreht haben, liegen immer noch bei mir im Keller. Ich habe sie der Fernsehsendung 'Pleiten, Pech und Pannen' angeboten.
Die Redaktion hat dankend abgelehnt. Hat jemand Interesse?