Haarmode in der Renaissance


Zwei Grundformen kehrten bei den vielartigen kostbaren Frisuren immer wieder: der griechische Mittelscheitel mit Haarknoten und die römische Zopffrisur.

In der Frührenaissance, etwa 1400 bis 1500, waren kleine Schmuckhauben und zarte Schleier beliebt als Überbleibsel mittelelterlicher Kopfbedeckungen. Die Stirnhaare und die Oberkante der Augenbrauen wurden gerne rasiert. Den Scheitel bedeckten wohlhabende Frauen in seiner ganzen Länge mit großen echten Perlenschnüren. Die Zöpfe und die Seitenpartien der Frisur waren oft geradezu übersät mit kleinen Perlen und anderem Schmuck. Ein golddurchwirktes Netz hielt bisweilen den Haarknoten. Die Stirn- und Seitenhaare krauste und puderte die Damenwelt. Die Frisuren erforderten sehr viel Haar. Die Damen ließen sich daher Zopfteile und Toupets einfrisieren oder trugen Perücken. Da echtes Haar kostbar war, mussten die Teile oft aus Flachs hergestellt und in der gewünschten Farbe gepudert werden.
Blondtöne wurden vor allem in Italien wieder begehrt. Nach einer Kamillenwäsche bleichten die Schönen ihr Haar in der Sonne, wie es einst vor 1500 Jahren schon die Römerinnen taten. Goldstaub und Irispuder erhöhte die Wirkung. Modefarbe aber war ein mit Hennabrei erzieltes sattes Rötlichblond, das wir auf den Gemälden Tizians bewundern können und das als "Tizianrot" noch immer bekannt ist.



Während der Hochrenaissance, 1500-1550, blieben die Frisuren klein. Edle Sterne, Perlen und Goldnetze schmückten weiterhin das Haar. Diese Zeit wird oft auch als deutsche Renaussance bezeichnet. Das einflussreiche Bürgertum wurde tonangebend in der Mode und trat standesgemäß auf. Dei Frisuren krönten barettähnliche, oft mit kostbaren Straußenfedern geschmückte Hüte. Die hauben verschvanden ganz mit dem Aufkommen dieser neuen Mode.Das in kostbare Netze gehüllte Haar diente überwiegens als Stütze für dem modisch kostbar ausstaffierten Hut.



Königin Elisabeth von England, 1558-1603. Die weiße, steife und würdevolle spanische Halskrause der Spätreanaissance erfordert kürzeres, in die Höhe frisierbares Haar um die Pracht des Kragens nicht zu stören.


In der Spätrenaissance, 1550 - 1600, machten sich die Auswirkungen der steifen spanischen Mode bemerkbar. Spanien war nach der Entdeckung Amerikas zu großem Reichtum gelangt und bestimmte die Mode in Europa. Die Frisuren und der Schmuck waren jetzt einfacher und schlichter. Stirn- und Nackenhaare ließ die Dame in die Höhe kämmen. Diese neue scheitellose Frisur wurde sicher mitbestimmt durch die spanische mühlsteinartige Halskrause und den französischen 'Stuartkragen'.


Maria von Medici, 1573-1642, Königin von Frankreich. Mit besonders schönem Spitzenkragen (Stuartkragen, nach der unglücklichen Königin von Schottland, Maria Stuart, 1542-1587, genannt) Die aufstrebende Frisur der Spätrenaissance endet in einem hohen Knoten.



Die Balbierstube und der Balbierer um 1568. Im Hintergrund eine noch recht unbequeme Wascheinrichtung.


Müller-Dominik - Stilkunde Frisurenkunde
vielen Dank an Diether